08
März
2021
|
10:30
Europe/Amsterdam

Wie unterstützen wir Frauen bei ihrer wissenschaftlichen Karriere?

Sechs Frauen bei BIOTRONIK teilen ihre Erfahrungen

Women Workplace Science

Immer mehr Frauen entscheiden sich für eine berufliche Karriere in Technik und Wissenschaft. Anlässlich des diesjährigen Internationalen Frauentags machen wir uns der bedeutenden Beiträge bewusst, die Frauen zur Wissenschaft, Technologie und klinischen Forschung leisten. Sie treiben seit langem den wissenschaftlichen Fortschritt voran und das vergangene Jahr war keine Ausnahme, wie der erste zugelassene COVID-19-Impfstoff zeigt.

Junge weibliche Talente zu fördern und für die Wissenschaft zu begeistern ist ein wichtiger Schritt, hin zu mehr Chancengleichheit im Berufsleben. Darum unterstützt BIOTRONIK bereits seit 2012 den Verein Club Lise – eine Initiative zur Förderung junger Frauen, die an einer wissenschaftlichen Karriere interessiert sind. Hintergründe und Ziele der Kooperation haben wir bereits zum Internationalen Tag der Mädchen und jungen Frauen in der Wissenschaft vorgestellt.

Neben Mentoringprogrammen und Förderinitiativen für den Nachwuchs stellt sich allerdings auch die Frage, wie Frauen in wissenschaftlichen Berufen unterstützt werden können. Denn jüngste Statistiken der UNESCO zeigen, dass Frauen in MINT-Bereichen (Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik) im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen weniger veröffentlichen, weniger für ihre Forschung bezahlt werden und nicht den gleichen beruflichen Aufstieg erleben.

Wir haben sechs Kolleginnen nach ihren ganz persönlichen Erfahrungen gefragt: Was sollte sich in der Praxis ändern und was funktioniert bereits?

Unterschiedliche Erfahrungen anerkennen

Dr. Sarah Biela, Director of EP Product Management
Ich bin für ein mutiges Miteinander. Frauen und Männer sollten sich trauen, aufeinander zuzugehen.
Dr. Sarah Biela, Director of EP Product Management

„Ich denke, wir Frauen haben andere Herausforderungen, weil wir anders wahrgenommen werden und weil Männer und Frauen gegenseitige Vorurteile haben, die man nicht einfach wegreden und überwinden kann. Bei einer Frau verwundert es die Leute eher, wenn sie Physik studiert hat – nicht, weil sie glauben, dass sie es nicht kann, sondern weil es immer noch ungewöhnlich ist", erzählt Dr. Sarah Biela. Die promovierte Physikerin leitet als Director of EP Product Management ein Team aus Marketing- und Produktmanagern in BIOTRONIKs Geschäftseinheit Elektrophysiologie. „Ich bin für ein mutiges Miteinander. Frauen und Männer sollten sich trauen, aufeinander zuzugehen.“

Sofia Binias, die als Senior Engineer BIOTRONIKs Qualitätssicherungsteam für Herzschrittmacher und Defibrillatoren leitet, stimmt dem zu. „Ich denke schon, dass Frauen teilweise andere Herausforderungen erleben als Männer. Sie müssen sich mehr beweisen, behaupten und durchsetzen, um gehört zu werden.

Binias und Dr. Biela stellen fest, dass sich die Situation für Frauen in technischen Positionen verbessert hat – sowohl bei BIOTRONIK als auch allgemein in der Medizintechnik. Trotzdem gebe es noch Luft nach oben.

„Ich finde es bemerkenswert, wie sich in den letzten Jahren immer mehr Frauen auch in traditionell sehr männlich geprägten Abteilungen mit vielen Ingenieuren in Bereichen wie Elektrotechnik und Maschinenbau ihren Platz und Respekt verdienen“, sagt Dr. Biela. Gleichzeitig merkt sie an, wie wichtig Vorbilder in Führungspositionen, auch an der Spitze des Unternehmens, seien.

„BIOTRONIK ist bestrebt, mehr Frauen zu fördern, insbesondere in Führungspositionen. Einige Vorgesetzte arbeiten daran, den Frauenanteil in ihren Teams zu erhöhen – das ist gut so. In anderen, nicht-technischen Bereichen ist das Verhältnis zwischen Frauen und Männern nahezu ausgewogen“, fügt Binias hinzu. Bei BIOTRONIK unterstützt das Women in Leadership-Netzwerk Frauen im Unternehmen dabei, sich beruflich auszutauschen, zu bestärken und ihre Netzwerke auszubauen.

Förderung eines unterstützenden Arbeitsumfelds

Dr. Janine Broda, Fertigungsleitung Aktive Implantate II
Bereits im Studium und bei der Promotion wurde ich stets gefordert und gefördert – größtenteils von Männern.
Dr. Janine Broda, Fertigungsleitung Aktive Implantate II

Während Frauen ermutigt werden sollten, die Initiative zu ergreifen, müssen Organisationen wie Unternehmen eine Kultur fördern, in der die Rahmenbedingungen dafür stimmen. „Bereits im Studium und bei der Promotion wurde ich stets gefordert und gefördert – größtenteils von Männern“, sagt Dr. Janine Broda, die die Produktionsabteilung für aktive Implantate in der Berliner BIOTRONIK-Zentrale leitet.

Im Diskurs wird klar, wie wichtig es ist, dass sich alle Mitarbeitenden mit Themen befassen, von denen in der Vergangenheit oft angenommen wurde, dass sie hauptsächlich Frauen betreffen. Und Unternehmen sollten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Herausforderung für alle behandeln.

Dr. Anke Topp, Associate Manager Technology Development Surface
Sehr positiv empfinde ich den Trend, dass zunehmend auch Männer länger Elternzeit in Anspruch nehmen oder sich zu Hause um ihre kranken Kinder kümmern.
Dr. Anke Topp, Associate Manager Technology Development Surface

„In meinen Augen bedeutet Familienplanung nach wie vor für Frauen mehr als für Männer, Abstriche in Beruf und Karriere zu machen. Beispielsweise beschäftigte mich die Frage sehr, ob und unter welchen Bedingungen ich nach der Geburt meiner Töchter an meinen Arbeitsplatz zurückkehren könne“, sagt Dr. Anke Topp. Die promovierte Chemikerin leitet ein interdisziplinäres Team, das sich mit der Entwicklung von Fertigungs- und Prüftechnologien für Stents beschäftigt. „Sehr positiv empfinde ich in diesem Zusammenhang den Trend, dass zunehmend auch Männer länger Elternzeit in Anspruch nehmen oder sich zu Hause um ihre kranken Kinder kümmern."

Exzellenz bei der Arbeit und zu Hause fördern

Unternehmen können unterstützen, indem sie sich aktiv mit Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie befassen und zeigen, dass Vereinbarungen wie Elternurlaub oder Teilzeitoptionen für alle offen stehen. Beispielsweise hat sich bei BIOTRONIK von 2011 bis 2015 die Zahl der Männer, die Elternzeit nehmen, um das Achtfache erhöht. Seitdem hat sich auch die durchschnittliche Zeit, die Männer in Elternzeit gehen, stetig verlängert.

Philine Baumann-Zumstein will Frauen mitgeben, dass sich wissenschaftliche Karriere und Familie miteinander vereinbaren lassen. „Dies ist keine Entscheidung für den einen ODER den anderen Weg – beides kann super zusammen funktionieren. Ich habe so viele wundervolle und äußerst fähige, wissenschaftlich brillante Mütter getroffen“, erzählt Baumann-Zumstein, die im schweizerischen Bülach für präklinische Tests in der Geschäftseinheit Vaskuläre Interventionen verantwortlich ist.

Women Workplace Laptop

Was können wir also für die Zukunft lernen? Die Erfahrungen unserer Kolleginnen aus der Praxis zeigen, dass weibliche Vorbilder in Führungspositionen sowie die Schaffung eines unterstützenden Arbeitsumfelds, in dem alle Mitarbeitenden – Frauen und Männer – einander respektieren und ermutigen, wichtige Schritte auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung in der Arbeitswelt sind.

Die Förderung von Frauen in wissenschaftlichen Positionen und mehr Chancengleichheit in der wissenschaftlichen Praxis sind ein stetiger Prozess. Selbst Unternehmen, die auf dem richtigen Weg sind, müssen ihre Fortschritte reflektieren und stets Verbesserungen vornehmen. Das gilt für alle Abteilungen, Unternehmen und Branchen.