18
September
2020
|
13:05
Europe/Amsterdam

Wie Kliniken dazu beitragen können, den Pandemie-Stress für Herzpatienten zu verringern

Von Dr. med. David Hayes

Der tatsächliche Tribut, den das Coronavirus im Gesundheitsbereich rund um den Globus gefordert hat, lässt sich momentan kaum bestimmen. Er ist aber deutlich höher als die offizielle Zahl der direkt durch das Virus bedingten Todesopfer. Als die Gesundheitseinrichtungen einen 50-prozentigen Rückgang der Herzinfarkte registrierten, stellte die European Society of Cardiology (ESC) die Hypothese auf, dass Betroffene der Notaufnahme aus Sorge vor Ansteckungen fernblieben. Sie wies außerdem darauf hin, dass von den Patient*innen, die sich dennoch in Behandlung begeben hatten, 48 Prozent später als gewohnt und jenseits des optimalen Zeitfensters für eine Behandlung eintrafen.

Sowohl die ESC als auch das American College of Cardiology appellierten öffentlich an potenzielle Herzpatient*innen, bei Symptomen sofort den Rettungsdienst zu rufen. Die Präsidenten der Kliniken von Cleveland und Mayo gingen sogar so weit, in der New York Times eine gemeinsame Stellungnahme zu veröffentlichen. Darin betonten sie, dass die Krankenhäuser sicher seien, und dass Patient*innen, die eine Behandlung benötigen, diese unbedingt aufsuchen sollten. Wie können wir als Gesundheitsversorger unsere Patient*innen beruhigen und ihnen dabei helfen, mit der offensichtlich belastenden Frage nach den Risiken von Krankenhausbehandlungen umzugehen?

Der erste Schritt besteht darin, unseren Patient*innen zu versichern, dass die Krankenhäuser Maßnahmen ergreifen, um tatsächliche und vermutete COVID-19-Patient*innen von Nicht-COVID-Patient*innen zu trennen. Der zweite Schritt besteht darin, sie daran zu erinnern, dass sie im eigenen Interesse dringende medizinische Versorgung in Anspruch nehmen sollten. Und drittens können wir moderne telemedizinische Technologien nutzen, um so viel Betreuung wie möglich zu leisten, ohne dass unsere Patient*innen unsere Gesundheitseinrichtung persönlich aufsuchen müssen.

Die Vorteile der Fernbetreuung von Herzpatient*innen ist seit ihrer Einführung im Jahr 2000 in einer Vielzahl von Studien untersucht worden. Dabei gingen die Meinungen darüber, wie und wann diese eingesetzt werden sollten, teilweise auseinander. Die Pandemie verlangt jedoch von uns, unseren Blick auf diese Innovation zu verändern. Die Taskforce COVID-19 der Heart Rhythm Society empfiehlt Ärzt*innen, die Nachsorgen von Patient*innen mit Herzrhythmusimplantaten, wenn möglich, telemedizinisch durchzuführen. Die Ergebnisse der kürzlich durchgeführten „at Home“-Studie kommen genau zur richtigen Zeit: Forscher*innen in Japan haben zwischen Herzschrittmacherpatient*innen, die ausschließlich Home Monitoring-gestützte Nachsorge erhielten, und Patient*innen mit konventioneller Nachsorge keinen signifikanten Unterschied bei der Sicherheit feststellen können. „at Home“ baut auf der früheren RM-ALONE-Studie auf, in der Forscher*innen in Spanien ebenfalls keinen signifikanten Sicherheitsunterschied zwischen den beiden Gruppen, jedoch eine Verringerung der Arbeitsbelastung des Personals um etwa 40 Prozent feststellten.

Dr. David Hayes, Chief Medical Officer bei BIOTRONIK
Durch den Einsatz von Technologien wie der Fernbetreuung können wir dazu beitragen, den Stress der Patient*innen zu lindern.
Dr. David Hayes, Chief Medical Officer bei BIOTRONIK

Kürzlich durchgeführte Fernbetreuungsstudien sollten uns zuversichtlich stimmen, dass wir mit unseren Patient*innen trotz der Abstandsgebote die erforderlichen Nachsorgen durchführen können, ohne dass die Versorgungsqualität beeinträchtigt wird. Während die Vorteile für behandelnde Ärzt*innen auf der Hand liegen, sollten wir nicht vergessen, welche Belastung die Pandemie auch für unsere Patient*innen bedeutet. Durch den Einsatz von Technologien wie der Fernbetreuung können wir dazu beitragen, den Stress der Patient*innen zu lindern. Wir können ihnen zeigen, dass wir alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen für sie ergreifen.

Anfang dieser Woche sprach ich über einige Strategien, das Vertrauen der Patient*innen während der COVID-19-Pandemie zu stärken. Für den Zugriff auf die kostenlosen Videoinhalte können Sie sich hier anmelden.