LEIPZIG, Deutschland,
31
Januar
2018
|
00:00
Europe/Amsterdam

LINC 2018: Was beeinflusst die Therapiewahl bei Gefäßverschlüssen im Oberschenkel? BIOTRONIK-Studien liefern wichtige Hinweise

Zielgerichteter Einsatz von Ballon und Stent sowie intelligentes Stentdesign tragen maßgeblich zum Behandlungserfolg bei

Im Rahmen einer gut besuchten Session unter dem Vorsitz von Prof. Jos van den Berg, Ospedale Regionale di Lugano, Schweiz, haben verschiedene Anwender gezeigt, dass eine zielgerichtete Kombinationstherapie von Stent und medikamentbeschichtetem Ballon bei der Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (paVK) in der Oberschenkelarterie (SFA) die Metalllast reduzieren und so die Restenoserate senken kann.

Im Fokus der Session stand die Frage, wie im klinischen Alltag evidenzbasiert die richtige SFA-Therapie individuell bestimmt werden kann. Den Auftakt machte Prof. Gunnar Tepe, Radiologie-Institut, Rosenheim, Deutschland, der die Ergebnisse von BIOLUX P-III vorgestellt hat. In diese weltweit zweitgrößte Registerstudie zum Einsatz von medikamentbeschichteten Ballons (drug coated ballons – DCB) wurden 882 Patienten eingeschlossen. In der All-comers-Kohorte konnten dabei insgesamt 700 Patienten erfolgreich mit dem Passeo-18 Lux behandelt werden. Nach 12 Monaten lagen die primäre Offenheitsrate bei 85,2 Prozent und die Freiheit von klinisch bedingten Zielgefäß-Revaskularisierungen (fcd-TLR) bei 94 Prozent.1 Die Studienergebnisse belegen einen deutlichen Behandlungserfolg mit einer „bail-out“-Rate von nur 16,7 Prozent – trotz des hohen Anteils an kalzifizierten Läsionen (74,9 Prozent), an TASC C und D Läsionen (26,4 Prozent) und 38,3 Prozent CLI Patienten.

Dr. Michael Lichtenberg, Klinikum Arnsberg, Deutschland, hat erstmalig die 24-Monatsdaten der All-comers-Registerstudie BIOFLEX PEACE2 vorgestellt, die die Sicherheit und die Wirksamkeit des Pulsar-18 Stents in femoropoplitealen Läsionen untersucht hat. Das Register konnte eindeutig zeigen, dass das Bewusstsein unter Ärzten für den direkten Zusammenhang zwischen der chronischen Auswärtskraft eines Stents (chronic outward force - COF) und der
Restenoserate wächst.

Die COF lässt sich wesentlich durch eine Reduktion der Strebendicke und der Überdimensionierung (sog. Stent-Oversizing) verringern. Eine primäre Offenheitsrate (primary patency rate - PP) von 86,2 Prozent und die Freiheit von Zielgefäß-Revaskularisierungen (fTLR) in 97,1 Prozent der Fälle nach 12 Monaten sowie nach 24 Monaten eine PP von 78 Prozent und eine fTLR von 92,4 Prozent bestätigen die bisherigen guten Studienergebnisse des Pulsar.

Die Metalllast lässt sich nicht nur durch ein entsprechendes Stentdesign verringern – auch die Auswahl der richtigen SFA-Therapie kann entscheidend dazu beitragen. Ein mögliches Konzept besteht darin, einen DCB zur Paclitaxel-Behandlung in der ganzen Läsion einzusetzen und anschließend einen unbeschichteten Stent (bare metal stent – BMS) zur zielgerichteten Stützung der Gefäßwand zu platzieren. Diesen Ansatz hat Dr. Koen Deloose, AZ Sint-Blasius Hospital, Dendermonde, Belgien, im Rahmen der Studie BIOLUX 4EVER3 untersucht und beim LINC vorgestellt. Die Kombination des Passeo-18 Lux mit dem Pulsar-18 hat demnach nach 12 Monaten zu einer primären Offenheitsrate von 89,9 Prozent bei einer durchschnittlichen Läsionslänge von 8,3 cm geführt. Die primäre Offenheitsrate von 83,3 Prozent bei 105 Patienten nach 24 Monaten sticht gerade auch im Vergleich zur DES-Therapie, für die in bisherigen Studien eine primäre Offenheitsrate von 83,54 und 74,85 Prozent gezeigt werden konnte, positiv hervor.

Wann genau jedoch ist nach einem DCB-Einsatz im Oberschenkel noch ein Stent notwendig? Dieser Frage geht Dr. Patrice Mwipatayi, Royal Perth Hospital, Perth, Australien, in einer neuen Studie nach. Dabei untersucht er, inwieweit verschiedene Bildgebungsverfahren im Vorfeld der Intervention dabei helfen, den Bedarf für ein zusätzliches Stenting abzuschätzen. Die Ergebnisse der Studie sollen eine zusätzliche Datengrundlage für die ärztliche
Entscheidungsfindung bieten.

Zum Abschluss der Session fasste Dr. van den Berg die Chancen der Kombinationstherapie zusammen: “Medikamentbeschichtete Ballons haben die SFA-Therapie revolutioniert, indem sie den Bedarf an permanenten metallischen Stents beseitigt oder eliminiert haben. Dennoch ist der zusätzliche Einsatz von Stents in einigen Fällen unverzichtbar, um das Gefäß zu stützen und offenzuhalten. Eine mögliche Option stellt hier der Therapieansatz aus DCB-Angioplastie mit anschließendem Stenting dar: Während das Paclitaxel über die gesamte Läsionslänge wirkt, erfolgt die Stent-Implantation nur dort, wo sie zwingend erforderlich ist. Die Metalllast wird so deutlich reduziert. Beim DES-Einsatz hingegen deckt der Stent die komplette Läsionslänge ab.“

“Die Daten zeigen eindeutig, dass es eines flexiblen Ansatzes in der Auswahl der SFA-Therapie im klinischen Alltag bedarf. Mit unserem „REsponse Adapted Combination Therapy (REACT)” Konzept möchten wir den Arzt dabei unterstützen, evidenzbasiert die richtige Therapie zu finden und die Metalllast möglichst zu minimieren.“, kommentierte Dr. Alexander Uhl, Vice President of Marketing, BIOTRONIK
Vascular Intervention
.

Referenzen:

1Bosiers M et al. J Endovasc Ther. 2013, 20.

2Lichtenberg M et al. J Endovasc Ther. 2014, 21.

3Deloose K. BIOLUX 4EVER. Presented at: LINC 2018; Leipzig, Germany

4Mueller-Huelsbeck S. MAJESTIC. Presented at: CIRSE 2016; Kopenhagen, Denmark.

5Dake et al, ZILVER PTX 2-year follow-up from the Zilver PTX randomized and single arm studies. J Am Coll Cardiol. 2013; 18;61(24):2417-27.

 

Über BIOTRONIK:

BIOTRONIK ist ein weltweit führendes Medizintechnikunternehmen mit Hauptsitz in Berlin und ist in mehr als 100 Ländern präsent. Unsere Produkte retten Leben und erhalten die Gesundheit vieler Millionen Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen. Seit der Entwicklung des ersten Herzschrittmachers in Deutschland im Jahr 1963, treibt BIOTRONIK Innovationen im Bereich kardio- und endovaskulärer Therapielösungen und Dienstleistungen entscheidend voran.