30
Oktober
2019
|
14:46
Europe/Amsterdam

Implantierbarer Herzmonitor zur Schlaganfallvermeidung

Experteninterview mit Prof. Dr. Thomas Deneke

Zusammenfassung

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Implantierbare Ereignisrekorder können die Versorgung von Risikopatienten deutlich verbessern.

Herr Prof. Deneke, Sie waren der erste Kardiologe, der einen Patienten mit Vorhofflimmern mit einem Ereignisrekorder der jüngsten Generation, mit dem BIOMONITOR III, versorgt hat. Was versprechen Sie sich davon?

Vorhofflimmern ist sowohl Ursache als auch Risikofaktor für einen Schlaganfall – ein akutes kardiovaskuläres Ereignis, das eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität für die Betroffenen bedeuten kann. Die beste Behandlung ist es daher, den Schlaganfall zu vermeiden. Wir haben wirksame medikamentöse und interventionelle Präventionsmöglichkeiten zur Verfügung. Ihr Einsatz hängt allerdings davon ab, dass wir die Risikopatienten rechtzeitig erkennen und behandeln können.

In vielen Fällen wird VHF jedoch zunächst nicht erkannt und erst bei der Akutbehandlung des Schlaganfalls diagnostiziert. Konventionelle, nicht-invasive Monitoringverfahren, wie das 24-Stunden- oder Sieben-Tage-EKG, reichen bei vielen Risikopatienten leider nicht aus. Ein kontinuierliches Langzeitmonitoring mit implantierbaren Herzmonitoren bietet die sicherste Möglichkeit, „stilles“ VHF bei Patienten nach ischämischem Schlaganfall zu diagnostizieren, um die Folgetherapie bestmöglich anzupassen und weitere Ereignisse zu vermeiden.

- Prof. Dr. med. Thomas Deneke, Chefarzt der Kardiologie, Rhön-Klinikum Campus Bad Neustadt
Konventionelle, nicht-invasive Monitoringverfahren, wie das 24-Stunden- oder Sieben-Tage-EKG, reichen bei vielen Risikopatienten leider nicht aus.
- Prof. Dr. med. Thomas Deneke, Chefarzt der Kardiologie, Rhön-Klinikum Campus Bad Neustadt

Wie funktioniert das Langzeitmonitoring genauer?

Kurz und knapp: mithilfe von Telemedizin, dem sogenannten Home Monitoring. Der Herzmonitor überwacht die Herzaktivität des Patienten rund um die Uhr. Sobald er eine Rhythmusänderung wahrnimmt, zeichnet er die Episode als EKG auf, generiert einen Alarm und übermittelt uns diese innerhalb von 24 Stunden. Hierdurch können wir die Therapie der Risikopatienten genau steuern und die Behandlungsqualität deutlich verbessern.

 

Das heißt, der Patient muss selbst gar nicht aktiv werden?

Genau. Es hat sich gezeigt, dass das Telemonitoring am zuverlässigsten ist, wenn die Patienten möglichst wenig zur Datenübertragung beitragen müssen. Das heißt jedoch nicht, dass der Patient entmündigt wird. Im Gegenteil: Eine stärkere Teilhabe der Patienten am Behandlungsprozess ist sogar gewünscht. Über eine neu entwickelte App können die Patienten ihre telemedizinischen Datenübertragungen regelmäßig verfolgen und spürbare Rhythmusstörungen dokumentieren und mit uns teilen.

 

Können sich Patienten denn darauf verlassen, dass die Episoden zuverlässig übermittelt werden?

Absolut. Die Ereignisrekorder sind so sensibel, dass sie auch auf kleinste Unregelmäßigkeiten reagieren. Dass wichtige Episoden übersehen werden, ist somit sehr unwahrscheinlich.

 

Sie sagten, Sekundärprävention ist gut, Primärprävention wäre besser. Warum ist das kontinuierliche Rhythmusmonitoring bei Risikopatienten dann nicht Standard?

Ein kontinuierliches und erweitertes Rhythmusmonitoring aller Risikopatienten wäre sicher wünschenswert. Dennoch erhalten bislang nur wenige Patienten nach einem ischämischen Schlaganfall ein kontinuierliches Langzeitmonitoring. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Krankenkassen die Kostenerstattung für das ambulante Monitoring und die Implantation des Ereignisrekorders nachträglich oftmals verweigern.

 

Interview: Juliane Thom

Dieses Interview erschien in der Publikation Zukunft Medizin (Ausgabe: Oktober 2019) des in|pact mediaverlag.