07
Januar
2021
|
09:45
Europe/Amsterdam

Das Herz im Blick – implantierbare Herzmonitore und ihre Vorteile

Interview mit Helge Wuttig, Klinik- und Studienkoordinator an den Mühlenkreiskliniken in Minden

Zusammenfassung

Implantierbare Herzmonitore ermöglichen eine kontinuierliche Langzeitüberwachung der Herzaktivität und übermitteln Rhythmusstörungen telemedizinisch an den Arzt. Im Interview geht Helge Wuttig auf die Vorteile dieser Behandlungsmethode für Patienten ein.

Herr Wuttig, Sie betreuen in den Mühlenkreiskliniken Minden Patienten mit implantierbaren Herzmonitoren. Was machen die Geräte genau?

Implantierbare Herzmonitore (ICM), auch Ereignisrekorder genannt, funktionieren wie ein Langzeit-EKG. Sie überwachen das Herz über lange Zeiträume hinweg und spüren Unregelmäßigkeiten im Rhythmus zuverlässig auf.

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Wann ist der Einsatz eines ICM sinnvoll?

Zu den wichtigsten Einsatzbereichen gehören die Abklärung von Symptomen wie Schwindelgefühlen, wiederkehrenden Ohnmachtsanfällen oder Herzstolpern sowie die Abklärung von Vorhofflimmern (VHF), einer der häufigsten und oft asymptomatisch verlaufenden Rhythmusstörung.

 

Welches Ziel verfolgt das Monitoring hier?

VHF gilt als wesentlicher Risikofaktor für einen Schlaganfall. Die beste Therapie besteht darin, den Schlaganfall medikamentös oder interventionell zu verhindern. Der Erfolg dieser Mittel hängt jedoch davon ab, ob wir Risikopatienten rechtzeitig erkennen und behandeln können. In vielen Fällen wird VHF leider zu spät erkannt, nämlich erst im Rahmen der akuten Schlaganfallbehandlung. Konventionelle, nicht-invasive Monitoringverfahren, wie das 24-Stunden- oder 7-Tage-EKG, reichen häufig nicht aus, um eine zuverlässige Diagnose stellen zu können. In der Regel ist ein langfristiges kontinuierliches Monitoring nötig, um „stilles“, d. h. asymptomatisches, VHF sicher zu diagnostizieren und die Therapie optimal anpassen zu können, um Folgeereignisse zu vermeiden.

Helge Wuttig, Klinik- und Studienkoordinator an den Mühlenkreiskliniken in Minden
Konventionelle, nicht-invasive Monitoringverfahren, wie das 24-Stunden- oder 7-Tage-EKG, reichen häufig nicht aus, um eine zuverlässige Diagnose stellen zu können.
Helge Wuttig, Klinik- und Studienkoordinator an den Mühlenkreiskliniken in Minden

Wie funktioniert das Langzeitmonitoring?

Über telemedizinische Datenübertragungen, das sog. Home Monitoring. Registriert das Implantat eine Abweichung im Herzrhythmus, wird ein EKG aufgezeichnet und mithilfe eines mobilfunkfähigen Patientengerätes – dem CardioMessenger – innerhalb der nächsten 24 Stunden an den zuständigen Arzt übermittelt. So können wir Risikopatienten schnell identifizieren und zielgerichtet behandeln.

Patient mit CardioMessenger Smart

Der Patient muss selber nicht aktiv werden?

Die telemedizinische Datenübertragung läuft vollständig automatisch – in der Regel nachts. Unsere Erfahrungen zeigen, dass das Monitoring hierdurch äußerst verlässlich ist. Dennoch trägt der Patient Verantwortung für seine Gesundheit. Wir ermuntern unsere Patienten dazu, ihre Symptome und ihr Befinden über eine spezielle Patienten-App zu dokumentieren und mit uns zu teilen. Dadurch können wir die Symptome in Echtzeit mit ihrer Herzfrequenz abgleichen und direkt Feedback geben.

 

Können sich die Patienten darauf verlassen, dass ihre Episoden zuverlässig erkannt und übermittelt werden?

Die jüngsten Herzmonitore, wie der BIOMONITOR IIIm z.B., sind so sensibel, dass sie selbst kleinste Unregelmäßigkeiten erfassen. Zugleich filtern spezielle Algorithmen irrelevante Informationen heraus und machen das Diagnostikergebnis sehr genau. Über die Patienten-App können die BIOMONITOR-Patienten zudem prüfen, wann die letzte Home-Monitoring-Übertragung stattgefunden hat und Feedback ihres Arztes empfangen. Die Kommunikation zwischen Patient und Arzt unterstützt den gesamten Diagnostikprozess und spart Nachfragen und wertvolle Zeit im Versorgungsalltag.

 

Dieses Interview erschien erstmals als Beilage in der ZEIT.